Wappen

Geschichte der Verbindungen

 

Als die ersten europäischen Universitäten in Bologna, Padua und Paris entstanden schlossen sich die ausländischen Studenten, z.B. Bayern, Sachsen, Böhmen, Polen, in sogenannten „Nationen“ oder „Landsmannschaften“  zusammen, deren Prinzipien Freundschaft, Ehrenhaftigkeit, gegenseitige Hilfe und Rat bis heute zu den wichtigsten Grundlagen studentischer Korporationen zählen. An den ersten deutschen Universitäten stifteten wohlhabende Absolventen, heute würde man sie „Alumni“ nennen, „Bursen“, Gemeinschaften, die unter der Leitung eines Magisters standen; der Ausdruck „Bursche“ für ein Vollmitglied von Korporationen, hat hier seinen Ursprung.

In den folgenden Jahrhunderten entwickelten sich, z.T. nach freimaurerischen Vorbildern die typischen Attribute wie Zirkel, Wappen, Wahlspruch, Satzung, Convent und das Prinzip der Freundschaft für Leben. Die allgemeine Verrohung der Sitten im 30-jährigen Krieg und anderen Umbrüchen führte gelegentlich zum Verbot der Korporationen, der Reichstag zu Regensburg verbietet z.B. 1793 sämtliche studentischen Verbindungen.

Die Napoleonischen Kriege beeinflussen die Entwicklung der Korporationen maßgeblich, der vaterländische Gedanke führte nach den Freiheitskriegen zur Gründung der „Urburschenschaften“ in Jena und in der Folge an allen anderen deutschen Universitäten. Die Landsmannschaften entwickelten sich weiter zu den aristokratisch geprägten „Corps“ und zu den eher bürgerlichen „Landsmannschaften“. Etwas später, sicherlich beeinflusst durch die Gedanken von „Turnvater Jahn“ bildeten sich die „Turnerschaften“, die neben den oben genannten  ursprünglichen Prinzipien die sportliche Betätigung betonen. Nicht vergessen werden sollten die christlich geprägten Verbindungen, die Sängerschaften und weitere Zusammenschlüsse unterschiedlichster Art, deren gemeinsamer Gedanke die „Freundschaft für Leben“ ist. Die verschiedenen Korporationen schlossen sich im 19. Jahrhundert zu „Kartellverbänden“ zusammen, die z.T. bis heute fortbestehen. Aus heutiger Sicht kann man feststellen, dass die Verbindungen im 18. Und 19. Jahrhundert Inhalt und Form der Universitäten entscheidend mit geprägt haben.

Das Dritte Reich mit seinem Totalitätsanspruch unterbrach die vielgestaltige Entwicklung der Korporationen. Die meisten lösten sich auf oder wurden zwangsweise dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund angegliedert; in allen Fällen gab es schmerzliche Auseinandersetzungen zwischen den sich dem „Führerprinzip“ verpflichtet fühlenden Mitgliedern und denjenigen, die am uralten demokratischen „Conventsprinzip“ festhalten wollten.

In der Nachkriegszeit eröffneten die meisten Verbindungen neu, in den westlichen Bundesländern an den ursprünglichen Standorten. Die Bundesbrüderlichkeit und das Lebensbundprinzip hatten die politischen und kriegerischen Wirren und Verirrungen überdauert, weil sie im Menschen selbst angelegt sind. Viele ursprünglich ostdeutsche Korporationen fanden ihr neues Zuhause an den westdeutschen  Hochschulen. Auch an den neuen Universitäten bildeten sich Verbindungen, häufig mit Unterstützung durch die Kartellverbände und die alten Korporationen. Nach der Wiedervereinigung sind einige der ehemals ostdeutschen Verbindungen an ihre alten Universitäten zurückgekehrt.