Wappen

Göttingen - Geschichte

Zahlreiche Fundstellen der bandkeramischen Kultur zeugen davon, dass Göttingen seit der neolithischen Revolution besiedelt ist.

Alemannen ließen sich wohl im 3. Jh. n.Chr. auf ihrem Zug nach Süden hier nieder, „zu den Gotaingi“ (bei den Leuten des Gota) wurde ihre Siedlung in noch althochdeutscher Sprache von den Nachbarn genannt. Dieses erste Dorf lag außerhalb der späteren Stadtmauer und ist noch heute im Grundriss klar erkennbar. Es gruppiert sich um die Albanikirche. Zwei Kilometer nordwestlich lag die Pfalz Grona, die zwischen 942 und 1025 nicht weniger als 18 Königs- und Kaiseraufenthalte verzeichnet. Nach ihrer Zerstörung durch die Bürger von Göttingen Anfang des 14. Jh. kündet nur noch ein Gedenkstein von ihrer Existenz.

Die erste urkundliche Erwähnung 953 lautete auf Gutingi. Unterhalb des Dorfes entstand ein Wik (eine kaufmännische Siedlung). Um 1230 erlangte diese unter den welfischen Herzögen von Braunschweig-Lüneburg das Stadtrecht und wurde erstmalig ummauert. Aufgrund der dynamischen Entwicklung folgte später eine weitere Mauer und schließlich in der frühen Neuzeit eine neue Befestigung, der heutige Wall.

In der Reformationszeit hielt die lutherische Kirche Einzug, widerstand einer ersten Belagerung durch Tilly, dem sie jedoch nach einer zweiten Beschießung die Tore öffnen musste. Diese Zeit war eine des Niedergangs, der intellektuell und politisch erst mit der Gründung der Universität 1734 und wirtschaftlich mit dem Bahnanschluss 1854 überwunden wurde. Die Revolution von 1848 wurde vor allem von Universitätsangehörigen und Studierenden unterstützt.

Unter preußischer Herrschaft entwickelte sich in Göttingen eine Begeisterung für Otto von Bismarck, der dort – freilich wenig erfolgreich – studiert hatte und als Student mehrfach der Stadt verwiesen wurde. Das Bismarckhäuschen auf dem Wall kündet von seiner feucht-fröhlichen Studentenzeit. Dennoch führte die preußische Zeit nicht unmittelbar zu einem Gründungsfieber, die Industrielle Revolution erfasste Göttingen erst zu Beginn des 20. Jh., als – begünstigt durch den Aufschwung der Naturwissenschaftlichen Fakultät – Betriebe der Feinmechanik, Optik und Elektrotechnik sich ansiedelten.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt Göttingen nur geringe Schäden, so dass das schöne Stadtbild erhalten blieb. Allerdings geriet die Stadt nach dem Krieg in eine Zonenrandlage. 1964 erreichte sie die Großstadtschwelle und hat heute über 120.000 E. Nach der deutschen Wiedervereinigung ist sie nun ein sehr lebendiges Oberzentrum, dessen zentralörtlicher Einzugsbereich bis weit in die neuen Bundesländer hinein reicht. Daher ist die Stadt auch Teil der Europäischen Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg.